Deutschland holt sensationell Bronze bei Powerchair Hockey Europameisterschaft

21.07.2016

Anna Schütz von den Nording Bulls gehört zur erfolgreichen Nationalmannschaft

Powerchair Hockey EM Bronze-Team

Fotoquelle: Martina Neumeyer, München

Die Deutschen Bronzemedaillengewinner bei der Powerchair Hockey Europameisterschaft 2016: Vorne von links nach rechts: Jörg Diehl, Stefan Utz, Nasim Afrah, Kaan Sisik, David Bauer – Mitte von links nach rechts: Andreas Vogt, Anna Schütz, Stephan Mägele, Eva-Maria Berndl, Sandra Steiner – hinten von links nach rechts: Nadir Mohamed, Manuela Zuniga, Anita Mägele, Erwin Mägele, Michael Schubert, Teammanager Julian Wendel, Davor Stubican, Techniker Daniel Richter, Dimitri Krasnikov, Bundestrainerin Margot Kainz, Teamarzt Dr. Ingo Müller, Jutta Berndl, Tobias Strehler, Aleksej Savchenko und Philipp Steiner. 

Vom 13. bis 17. Juli fand die IWAS Powerchair Hockey Europameisterschaft im niederländischen
De Rijp statt. Acht Nationen, ausgelost in zwei Gruppen, machten sich Hoffnung auf eine gute
Platzierung. Top-Favorit waren die Gastgeber, die in der Geschichte des Sports bislang nur ein
Spiel verloren (Endspiel der WM 2010 gegen Deutschland 6:7 n.V.). Ausgerecht unsere
Mannschaft musste in der Vorrunde gegen den Titelverteidiger antreten, zumal man durch die
Rücktritte des langjährigen Bundestrainers Deniz Genc, Rekordtorjäger Paul Emmering und
Weltklassetorhüterin Olga Ulrich vermeintlich geschwächt ins Turnier ging. Außerdem traf das
Deutsche Team noch auf EM-Neuling Spanien und die Schweiz. In der Gruppe B trafen Belgien,
Italien, Finnland und Dänemark aufeinander.

Bereits im ersten Match spielten die Deutschen gegen die Niederlande, wo Bundestrainerin Margot Kainz offenbar die richtige Taktik wählte. Das Team ging mit einer 1:0 Führung in die Halbzeitpause. Auch in der zweiten Hälfte gestalteten die jungen Spieler unserer Auswahl das Spiel lange offen, ehe man sich am Ende doch mit 2:4 der größeren Routine geschlagen geben musste. Bitterer als die Niederlage wog aber die Rote Karte für den zweifachen Torschützen Nasim Afrah, der wegen einer Verletzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit nun für das nächste Spiel gesperrt war.

Gegen Spanien sollte eigentlich nichts schief gehen und die Punkte waren ohnehin für den angestrebten Halbfinaleinzug eingeplant, doch die Iberer erwiesen sich als Prüfstein für unsere Farben. Eine 4:0-Pausenführung sorgte dann aber zunächst für etwas Ruhe auf der deutschen Bank, ehe die Schiedsrichter durch kleinliche Regelauslegung wieder unnötig Hektik in das Spiel brachten. Am Ende gelang es aber trotz der vier Zeitstrafen und vier gegebenen Strafschüssen gegen unser Team doch, das Spiel mit 9:4 zu gewinnen.

Somit kam es im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz zum erwarteten Endspiel um den zweiten Tabellenplatz und die damit verbundene Halbfinalteilnahme. Die Eidgenossen siegten fünf Monate zuvor gegen die Deutschen beim 6-Nationen-Turnier in Lignano/Italien mit 8:1 und waren somit Favorit. Dennoch wollte das Team unbedingt Revanche und insbesondere der von seiner Sperre zurückkehrende Nasim Afrah war von den Schweizern nicht zu bremsen. Alleine ihm gelangen fünf Tore, welche ausgiebig bejubelt wurden. Deutschland spielte hochüberlegen und gewann am Ende trotz einiger Konzentrationsfehler locker mit 8:3.

Damit war das ausgemachte Ziel bereits erreicht, aber natürlich lockte die Finalteilnahme. Gegen Italien hatte eine Deutsche Nationalmannschaft bei einem großen Turnier noch nie verloren, doch wie schon die Fußballspieler dieses Jahr bewiesen, ist dies anscheinend nicht der Sommer der Serien. Im ersten Abschnitt hielt man gut mit und ging sogar in Führung, aber individuelle Fehler brachten das Team immer wieder in Rückstand. Die abgezockten Azzurri, angetrieben von ihrem sangesfreudigen Anhang, nutzten die Fehler eiskalt aus und gewannen am Ende verdient mit 6:3. „Bitter und unnötig“, so der einheitliche Tenor, aber aus solchen Niederlagen wächst man.

Die Finalteilnahme war also verpasst worden, doch die Aussicht auf Edelmetall sorgte noch am späten Abend für Aufbruchstimmung unter den Spielern. Im Kleinen Finale ging es gegen den Vize-Weltmeister und Vize-Europameister aus Belgien, die nur hauchdünn in ihrem Halbfinale der Niederlande unterlagen. Kurz vor dem Ende der Partie handelte sich der belgische Starspieler Björn Sarrazin aufgrund einer Unsportlichkeit die Rote Karte ein und war für das Spiel um Platz 3 gesperrt. Das Deutsche Team war ungewöhnlich unkonzentriert am Anfang, vergab klarste Torchancen und legte sich hinten selbst ein Tor ins Netz. Eine Auszeit brachte die Mannschaft wieder auf die richtige Spur und eine 4:1 Halbzeitführung sorgte für Ruhe. Im zweiten Abschnitt brachen die Belgier komplett ein und kassierten Tor um Tor. 9:1 – so lautete der Endstand und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Mannschaft und Fans stimmten gemeinsam die HUMBA an und die ein oder andere Freudenträne wurde mit einem breiten Lächeln weggewischt.

„Das ist schon ein kleines Märchen. Was hier die letzten Tage los war, das ist sensationell. Wir kamen hierher als Underdogs und kommen mit der Bronzemedaille um den Hals nach Hause. Ich denke, wir haben Deutschland stolz gemacht.“, so der sichtlich zufriedene Kapitän Jörg Diehl. Die Niederlande setzte sich abermals die Krone auf, gewann das einseitige Finale mit 7:2. 

Julian Wendel, DRS e. V. – Fachbereich Elektrorollstuhlsport

 
 

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